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Jobcenter-Brosch├╝re: Gut gemeint, schlecht gemacht, Gegenteil bewirkt

Veröffentlicht am 24.07.2013, 11:40 Uhr     Druckversion

Die Absicht, das unverständliche Behördendeutsch des Jobcenters in einer Broschüre durch eine verständliche Sprache darzustellen, wird vom sozialpolitischen Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, Hans-Peter Stahl, als ein längst überfälliger Schritt anerkannt. Schon immer hat die SPD auf Kreisebene gefordert, dass die Anträge und Bescheide für die Betroffenen in einer für den Normalbürger verständlichen Sprache erfolgen sollten.

Aber leider bedient sich das Jobcenter bei dem Ratgeber einer idealisierenden Darstellung einer fiktiven Familie, die Hartz IV beantragen muss. Die beschönigende Sichtweise in der Broschüre verkennt die Situation von Hartz IV-Empfängern, die unter der Arbeitslosigkeit und den damit verbunden psychologischen und gesundheitlichen Problemen leiden. Vielfach wird in schönfärberischer Manier das Leben der Muster-Familie dargestellt, die dabei ist, ihre Existenzsicherung durch Hartz IV zu bewerkstelligen. Alle damit verbundenen Einschränkungen - für die Familie überhaupt kein Problem.

 

Vor allem die Dialoge vermitteln  eine Realität, die einer Wunschvorstellung von Hartz IV entspringt, die zu schön klingt, um wahr zu sein. So  z.B. wenn im Jobangebot des Jobcenters vielleicht einen Traumjob zu finden ist oder vor Freude in die Luft gesprungen wird, weil der Antrag auf Weiterbildung bewilligt worden ist. Die Formulierungen romantisieren die Lage der Familie, so dass der Eindruck erweckt wird, dass die Grundsicherung für Arbeitssuchende (Hartz IV), trotz einiger Unannehmlichkeiten, für die Betroffenen halb so schlimm sei und viele positive Erfahrungen mit sich bringen würde.

 

Vollends an der Wirklichkeit vorbei geht die Beschreibung der Familie bei der Mitteilung, dass die Wohnung zu groß ist und sie daher eine neue Wohnung suchen müssen. Kein Hinweis darauf, dass der erzwungene Wohnungswechsel für die Familie, insbesondere für die Kinder, eine enorme Belastungssituation darstellen kann. Vor dem Hintergrund des aktuellen Wohnraummangels im Kreis Pinneberg, vermittelt die Broschüre dennoch den  Anschein, als ob es für die Familie kein großes Problem sei, eine angemessene Wohnung zu finden.

 

Bedauerlich ist nach Stahl, dass die gute Absicht durch Art der Darstellung (überhöhend und hochstilisierend) verloren geht und den Eindruck wie bei einem Stück von Rosamunde Pilcher hervorruft, schöne heile Familienwelt, zwischendurch ein bisschen Drama, aber am Ende wird alles gut.

Homepage: SPD-Pinneberg


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